Lebensmittelallergien – Woher kommen sie, wie entstehen sie?

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Für einige Menschen kann Nahrung ein Problem darstellen? Es drängt sich die Frage auf: Macht uns unser Essen krank? Die Lebensmittelallergiehäufigkeit Erwachsener liegt bei ungefähr 2 – 4 %, bei Kindern zeigt sich eine Wahrscheinlichkeit von ca. 0,5 -7,5 %. Jugendliche sowie jüngere Erwachsene leiden häufiger an jenen. Bei Frauen ist eine doppelt so hohe Betroffenheit zu registrieren (Genetik, Hormone, vermehrte Exposition). Gründe sind unter Anderem das erweiterte Nahrungsangebot (exotisches Obst, Gemüse…) oder auch die häufige Einnahme von Antazida (Magensäureblocker). Gegenwärtig ist eine starke Zunahme der Sensibilisierung gegen Erdnüsse und Soja, sowie gegen einige exotische pflanzliche Produkte zu verzeichnen. Eine solche Allergie muss nicht ein Leben lang bestehen (spontan eintretende Toleranz, z. B. frühkindliche Kuhmilchallergie).

Begriffsklassifizierung

Lebensmittelallergie (= Nahrungsmittelallergie), ist dem Oberbegriff der Lebensmittelunverträglichkeit unterzuordnen und ist darunter der Hypersensitivität zuzuordnen. Diese erfährt eine Einteilung in nicht-allergische sowie allergische Hypersensitivität, wobei die letztere die Lebensmittelallergie im eigentlichen Sinne darstellt. Die Hypersensitivität führt bei prädisponierten Patienten zu objektiven Symptomen, die durch Exposition eines definierten Stimulus auftreten, der von Gesunden problemlos toleriert wird.

Definition und Kriterien

Die Lebensmittelallergie ist eine durch immunologische Mechanismen hervorgerufene Hypersensitivitätsreaktion (Überreaktion des Immunsystems) nach Nahrungsmittelaufnahme (IgE-medierte allergische Reaktion). Auslösend wirken bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile, häufig ein Protein oder Glycoprotein, welche vom Körper als fremd erkannt werden und damit eine Immunreaktion auslösen. Die Sicherstellung des Vorliegens einer Lebensmittelallergie resultiert aus dem Nachweis einer immunologischen Sensibilisierung (Antikörpernachweis; Bildung von IgE-Antikörpern ist Vorraussetzung für eine allergische Hypersensibilität), zum Ausschluss anderer Möglichkeiten der Unverträglichkeit. Als sensibilisierungsfördernde Substanzen werden genetische Prädisposition, Menge und Potenz des Allergens, gestörte Funktion der Schleimhautbarriere des Magen-Darm-Traktes (erleichtert das Eindringen der Allergene), sowie das Lebensalter angesehen.

Die Allergische Reaktion

Bei der Lebensmittelallergie handelt es sich um eine spezifische, erworbene IgE-vermittelte Allergie. Bedeutet, dass beim Erstkontakt zunächst eine Sensibilisierung (= Allergisierung) stattfindet, die einen asymptotischen Verlauf aufweist. Während der Allergisierung wird, durch Interaktion von B-Zellen und T-Helferzellen, das Antigen präsentiert, so dass die B-Zelle eine Reifung zur Plasmazelle vollzieht und IgE-Antkörper produziert und freisetzt. Diese sensibilisieren Mastzellen. Bei Zweitkontakt mit dem Allergen (=Antigen; Bindung Antigen an IgE auf der Mastzelle) kommt es zur Sofortreaktion (Anaphylaxie), aufgrund der, durch Antigenbindung ausgelösten, Degranulation der Mastzellen und dem daraufhin freiwerdenden Histamin. Die Spätphase beinhaltet die Phagozytose der Antigen-Antikörper-Komplexe durch Granulozyten, die auch gewebsaktive Substanzen freisetzen. Diese und das Histamin sind für die allergischen Symptome nach Zweitkontakt verantwortlich. Bei Allergenkarenz bleibt die Symptomatik aus.

Welche Substanzen wirken allergen?

Der Begriff Lebensmittelallergen meint Substanzen, die vom Körper als fremd erkannt werden und eine Immunantwort mit Bildung spezifischer Antiköper der Klasse IgE auslösen. Es handelt sich zumeist um Proteine (oft wasserlösliche Glycoproteine), die allergene Determinanten (Epitope) aufweisen. Diese werden unterschieden in sequentielle (relativ stabil gegen thermische Einflüsse und pH-Änderungen; z. b. Allergene aus Fisch, Haselnuss, Erdnuss) und sterische Epitope, die relativ instabil gegenüber Hitze und pH-Änderungen reagieren (Stein- und Kernobst) und daher, wenn Sie solche Produkte kochen, meist verträglich sind. Auch technologische Behandlungsmaßnahmen (Trocknung, Lagerung, Proteolyse) können zum Verlust der Allergenität führen.

Art des Kontaktes

Neben dem klassischen Weg, per ingestionum (orale Aufnahme), ist auch der Kontakt auf hämatogenen (Blutweg; selten), z. B. bei Schnittverletzungen im Rahmen der Lebensmittelzubereitung, oder auf perkutanen (Aufnahme über die Haut) Wege möglich. Des Weiteren wird auch eine Allergenberührung per inhalationem (Atemwege) als denkbar erachtet.

Häufige Allergene im Erwachsenenalter

Die Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien hängt im Wesentlichen von den Verzehrgewohnheiten der jeweiligen Altergruppe und Population sowie von der allergenen Potenz ab. Gehäuft allergische Reaktion findet sich unter anderem bei Erdnüssen, Apfel, Soja, Tomate, Paprika, Nüssen, hier speziell die Erdnuss, die häufig heftige allergische Reaktionen oder einen anaphylaktischen Schock zur Folge haben, sowie Sellerie und Roggen.

Häufige Allergene im Kindesalter

Besonders Kleinkinder und Säuglinge können unter heftigem Erbrechen und starken Durchfällen leiden, infolge dessen die normale Entwicklung beeinträchtigt sein kann.
Kinder reagieren gehäuft allergisch auf Ei, Milch, Weizen/Dinkel, sowie Erdnuss und Soja.

Risikofaktoren

Einfluss haben die familiäre Prädisposition, also die genetische Konstellation, meint, dass eine geringes Allergierisiko besteht wenn keines der beiden Elternteile eine Allergie aufweist und ein hohes Risiko, wenn beide Eltern betroffen sind. Auch Umweltfaktoren, wie Klima oder Allergenexposition, haben eine gewisse Wirkung. Ebenfalls werden hoher sozialer Status, zu wenig frühkindliche Infekte und ein hoher Hygienestandart als Gefahr erachtet.

Symptome

Symptome können lokal oder systemisch auftreten. In den meisten Fällen werden Sie Hautsymptome (Juckreiz, Nesselsucht, Neurodermitis, Dermatitis, Ödeme) wahrnehmen. Auch können Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Diarrhö, Bauchschmerzen, Obstipation) und Atemwege (Asthma bronchiale, Husten, Schwellungen) in Mitleidenschaft gezogen werden. Allgemein registrieren Sie evt. Kopfschmerzen, Schwellungen, Fieber sowie Gewichtsverlust. Eine gefürchtete Komplikation ist der anaphylaktische Schock. Die Schwere der Erkrankung kann abhängig sein vom Sensibilisierungsgrad oder Wirkungsgrad der Allergene, sowie von der Frequenz der Allergenexposition und der Anwesenheit von absorptionsfördernden Substanzen, wie Gewürzen, Alkohol, Koffein, Acetylsalizylsäure. Ebenfalls entscheidend ist der Verarbeitungsgrad des Lebensmittels (roh vs. verarbeitet).

Verlauf

Der Verlauf einer Lebensmittelallergie variiert. Tritt sie im Kindesalter auf, können Sie zumeist mit einer Besserung oder sogar mit dem Abklingen der Allergie innerhalb der ersten Lebensjahre rechnen, da sich im Laufe der Zeit Immun- und Verdauungssystem vollständig entwickeln. Erwachsene leiden meist über Jahrzehnte an den Lebensmittelallergien, diese gehen dann nicht selten mit Heuschnupfen einher.

Diagnostik

Eine Lebensmittelallergie zu diagnostizieren erweist sich in vielen Fällen als schwierige Aufgabe. Zum einen, weil die Nahrung eine Vermengung mehrer Zutaten darstellt und zum anderen können die Allergene auch in versteckter Form enthalten sein.
Zunächst erfolgt die Anamnese, im Rahmen derer Sie nach Symptomen gefragt und Nahrungsprotokolle erstellt werden. Es folgt ein Hauttest, dessen Durchführung in verschiedenen Varianten möglich ist. Auch serologische Tests (Messung Gesamt-IgE und allergenspezifischer IgE-Antikörper) oder Diättests, charakterisiert durch Such- oder Eliminationsdiäten mit anschließenden Provokationsdiäten, die Sie nur unter ärztlicher Aufsicht bewerkstelligen dürfen (Gefahr: anaphylaktischer Schock), kommen hier zum Einsatz.

Therapie

Oberstes Gebot stellt die Allergenkarenz dar. Realisieren können Sie diese Maßnahme durch eine individuelle Diät mit Elimination der entsprechenden Allergene bzw. Lebensmittel, hierbei aber Alternativen finden um Nährstoffmängeln aus dem Weg zu gehen. Das Selbstherstellen von Speisen und damit der Verzicht auf Fertigprodukte kann sehr hilfreich sein. Wen vorgefertigte Produkte, dann auf die Zutatenliste achten. Auch sollten Stoffe vermieden werden, die zwar potentiell nicht allergen wirken, aber eine allergische Reaktion triggern können (Alkohol, bestimmte Medikamente, biogene Amine). Sie sollten auch mögliche Kreuzreakionen bedenken (z. B. Sellerie-Karotte-Beifuß-Gewürz-Syndrom). Eine weitere Methode der Therapie ist die Hyposensibilisierung, hierbei wird oral oder subkutan das Allergen, gewonnen aus nativem Material, mit steigender Dosis wiederholt appliziert. Die Wirkmechanismen sind zum Teil unbekannt. Bei multiplen und nur schwer eliminierbaren Nahrungmittelallergien kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein. Patienten die zu anaphylaktischen Schock neigen, müssen immer ein Notfallset (Adrenalinspray, Antihistaminika) mit sich führen

Prävention

Stillende Mütter sollten bekannte Allergene (Kuhmilch, Eier, Fisch) eliminieren und wenn möglich 4-6 Monate stillen, da so eine optimale Ernährung des Säuglings gewährleistet wird. Ist dies nicht durchführbar, nutzen Sie hypoallergene (stark hydrolysierte Molken- oder Vollmilchproteine; sämtliche Proteine in kleinen Bruchstücken, daher von Antikörpern nicht erkennbar) Säuglingsnahrung. Bevorzugt allergenarme Beikost (nach dem 4. Monat) füttern. Frischmilch, Soja, Eier und Fisch erst nach dem ersten Lebensjahr dem Kind anbieten. Auch inhalative Allergene, wie Hausstaub sowie Rauch meiden.

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